Früher mit dem Zukleben starten


Sehschärfe beim Schielen retten

Kleiner schielender Junge in Großaufnahme.
mauritius images / EyeEm / Steve Guessoum

Erst vier bis sechs Monate Brille tragen und dann das gesunde Auge abkleben – das ist die Strategie für die meisten Schielkinder. Doch offenbar entwickelt sich die Sehschärfe besser, wenn man deutlich früher mit dem Zukleben beginnt.

Sehschärfe und räumliches Sehen in Gefahr

Schielen bei Kleinkindern muss frühzeitig behandelt werden. Unterlässt man es, drohen langfristig Folgen: So verringert sich nicht nur die Sehschärfe. Auch das räumliche Sehen wird beeinträchtigt. Unbehandelte Schielkinder entwickeln deshalb oft Schwierigkeiten beim Lesen und können sich in der Schule nicht gut konzentrieren.

Momentan bekommen Schielkinder meist einige Monate lang eine Brille, um die Sehschärfe zu verbessern. Danach wird mit dem Zukleben des gesunden Auges gestartet (Okklusionstherapie). Dadurch zwingt man das schielende Auge, sich mehr anzustrengen und aktiv zu sehen. Auf diese Weise wird seine Sehkraft trainiert und verbessert. Die Abklebedauer variiert, meist beträgt sie zwischen zwei und sechs Stunden täglich.

Drei Wochen Brille, dann kleben

Offenbar ist es für die Augen besser, wenn die Okklusionstherapie deutlich früher beginnt. Das haben britische Ärzt*innen in einer Studie mit 334 Kindern zwischen vier und sechs Jahren herausgefunden. 170 von erhielten die Standardtherapie – also 18 Woche Brille, danach 24 Wochen zusätzliches Zukleben. Bei 164 Kindern wurde dagegen mit dem Zukleben schon nach drei Wochen Brilletragen begonnen.

Beim Einstieg in die Studie und zwölf und 24 Wochen nach Beginn des Zuklebens wurde bei den Kindern die Sehschärfe gemessen. Die Kinder mit der frühen Okklusionstherapie schnitten dabei deutlich besser ab. Das war auch längerfristig so: Der Unterschied zwischen Frühklebern und den Kindern mit der langen Brillenphase war auch noch nach der 24. Woche nachweisbar.

Eltern zufrieden, Kinder weniger

Das frühe Abkleben nach nur drei Wochen Brilletragen bringt in puncto Sehschärfe also mehr als das Abkleben nach 18-wöchiger Brillenphase. Die Eltern der Kinder waren zu 83% zufrieden mit der Therapie. Die Kinder selbst fanden das Abkleben generell nicht so toll. Zufrieden laut Smiley-Skala waren damit nur 37%.

Auch wenn kleine Kinder das Zukleben ihres gesunden Auges nicht mögen: Die Forschungsgruppe rät aufgrund der Daten, vor allem bei Schielkindern mit schwerer Sehschwäche oder mit stark unterschiedlicher Brechkraft beider Augen frühzeitig mit dem Zukleben zu beginnen. Eine ausgedehnte Brillenphase sehen sie am ehesten bei den Kindern als angebracht, die unter 5 Jahre und 4 Monate alt sind und nur eine geringe Sehschwäche aufweisen.

Quelle: Ärztezeitung

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